Achtsames Essen mit der Rosinenmeditation

0

Einmal fragten einige Zen-Schüler ihren Meister, warum er so zufrieden und glücklich sei.
Der Zen-Meister antwortete: „Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich liebe, dann liebe ich …”
“Das tun wir doch auch,“ antworteten seine Schüler.
Der Meister erwiderte:
“Nein – wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon, wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.”

Diese bekannte Zen-Geschichte bringt unseren Alltag schön auf den Punkt. Gerade beim Essen tun wir meist alles andere, als wirklich beim Essen zu sein. Schlimmer noch, oft tippen wir gleichzeitig noch auf dem Smartphone herum oder schauen einen Film. Daran ist nichts Verwerfliches. Es ist aber ein weiteres Symptom dafür, dass wir den Bezug zum Essen oft verloren haben.

„Achtsam essen“ – das sagt sich so leicht. Viele Leute schmecken gar nicht mehr heraus, was sie gerade essen. Ein Sandwich hinunterschlingen, um schnell ins nächste Meeting zu kommen, ist häufig der Alltag. Die Folgen davon sind oftmals Magen- und Darmprobleme, Übergewicht und allgemeines Unwohlsein.

Ein guter Start, um wieder dorthin zu kommen, wirklich wahrzunehmen, was man isst und auch die eigenen Körperreaktionen darauf wieder zu spüren, ist die so genannte Rosinenmeditation. Alles, was Du dazu brauchst, sind ein paar Rosinen und ein paar Minuten Zeit
(Solltest Du keine Rosinen mögen, geht das natürlich auch mit anderen getrockneten Früchten oder z. B. Nüssen):

Verhalte Dich so, als hättest Du noch nie eine Rosine gesehen.

  • Lege ein paar Rosinen auf einen Teller und betrachte sie. Wie sehen sie aus? Erkennst Du Unterschiede?
  • Suche Dir eine von ihnen aus und lege sie auf Deine Hand. Wieso hast Du Dir gerade diese ausgesucht? Nimm wahr, wie sie auf der Hand liegt. Wie fühlt sich das an? Gibt es Unterschiede in der Oberflächenbeschaffenheit, in der Farbe, je nachdem, wie Du sie hochhältst?
  • Halte die Rosine an die Nase. Was riechst Du? Wie würdest Du den Geruch beschreiben? Welche Gefühle kommen bei Dir dabei hoch?
  • Drehe die Rosine zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her. Wie fühlt sich das an? Spürst Du ihre Furchen und Rillen? Was passiert, wenn Du sie leicht zusammendrückst?
  • Halte die Rosine an Dein Ohr. Vielleicht hörst Du was, wenn Du sie zwischen Deinen Fingern drehst?
  • Streiche mit der Rosine über Deine Lippen. Wie fühlt sich das an? Nimm sie in den Mund und lege sie auf Deine Zunge. Bewege sie im Mund hin und her. Was spürst Du dabei?
  • Zerbeiße die Rosine mit den Zähnen. Welche verschiedenen Geschmacksrichtungen nimmst Du wahr? Welche Textur hat die zerbissene Rosine im Mund?
  • Spüre, wie die Rosine sich beim Kauen langsam auflöst.
  • Schlucke die Rosinenteile hinunter und nimm sie auf dem Weg zur Speiseröhre noch so lange wahr, wie Du kannst.
  • Bemerke, wie der leere Mund immer noch nach Rosine schmeckt.
    Wiederhole diese Meditation mit einer zweiten Rosine. Die Erfahrungen, die Du jetzt machst, werden sich leicht vom ersten Mal unterscheiden.

Diese Meditation dient dazu, Essen wieder mit den Sinnen wahrzunehmen. Natürlich hast Du in Deinem Alltag nicht bei jeder Mahlzeit Zeit, so zu essen. Abgesehen vom Zeitfaktor, würden Partner und Kinder auch sehr komisch gucken, wenn Du plötzlich dreieinhalb Stunden fürs Mittagessen brauchst. Aber gewöhne Dir doch wieder an, das Essen auf Deinem Teller erst einmal richtig anzuschauen und den Geruch auch wahrzunehmen, bevor Du mit dem Essen beginnst. Konzentriere Dich bei ein paar Bissen Deiner Mahlzeit darauf, wie sich das Kauen und Schlucken anfühlt. Nimm Deinen Körper dabei ab und zu wahr. So wirst Du bald ein neues Verhältnis zu Essen und zu Deinem Körper entwickeln.

Zu jedem livinflow-Programm gehören eigens entwickelte, vegetarische Rezepte. Diese haben wir mit Bedacht konzipiert, damit sie Dir guttun und Dich wieder ins Genießen bringen. Entdecke hier mehr über livinflow. Außerdem findest Du dort viele weitere Meditationen, um wieder ins Spüren zu kommen.

Kommentieren Sie den Artikel

Geben Sie bitte Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein