Aufschieberitis oder „diesen Artikel schreibe ich morgen“

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Prokrastination

Es ist Sonntagabend und wie immer plane ich meine nächste Woche. Voller Motivation schreibe ich mir meine To-Do-Liste mit u. A. „Magazinartikel schreiben“. Doch überall lauert Ablenkung: Überstunden auf der Arbeit, weil ich unbedingt noch etwas fertig machen will, die Fernsehsendung, deren Inhalt plötzlich für mich lebenswichtig ist, die Küche, die jetzt sofort dringendst geputzt werden sollte. Das Resultat: kein Artikel. Was Du hier liest, ist, wie üblich, in einer Nacht- und Nebelaktion entstanden. Zu Risiken und Nebenwirkungen frage bitte Deinen Arzt oder Apotheker.

Die Aufschieberitis bzw. die Prokrastination lässt sich also ganz einfach zusammenfassen – viel vorgenommen, wenig geschafft! Das Problem der Prokrastination kennt jeder. Jeder hat in seinem Alltag ständig damit zu kämpfen, dass man seine vorgenommenen To-Dos nicht erledigt und immer wieder aufschieben muss. Letztendlich fühlt man sich aber nicht gut dabei, wenn man nicht schafft, was man sich vorgenommen hat. Wer also wirklich produktiv sein will und sich gut fühlen möchte, der muss endlich mit den Ausreden aufhören. Denn immer wieder nimmt man sich vor: „Okay, ab morgen schaffe ich wirklich was!“ Und trotzdem tritt man dann wieder in die Prokrastinationsfalle.

Verschiedene Arten von Aufschiebern

Wusstest Du, dass es verschiedene Aufschiebertypen gibt? Vielleicht findest Du Dich ja in einem von diesen wieder:

  • Der Saubermann: Dieser Typ ist normalerweise nicht besonders ordentlich, was er auch nicht als störend empfindet, sondern eher als gemütlich. Aber sobald eine wichtige Aufgabe dringend erledigt werden muss, entwickelt er sich zum Sauberkeitstyrannen. Das liegt daran, dass er überfordert ist und nicht weiß, wo er genau beginnen soll.
  • Der Panikmacher: Jemand, der alles bis zur letzten Minute hinausschiebt. Kurz vor der Deadline macht er sich dann so viel Druck und Panik, dass er am Ende mit seinem Ergebnis sehr unzufrieden ist. Zeitmanagement ist sein Problem.
  • Der Listenmacher: Steht eine große Aufgabe bevor, erstellt sich dieser Typ gerne erst einmal eine To-Do Liste mit all den Aufgaben, die er sonst noch erledigen muss. Jedoch werden dann nur Kleinigkeiten auf dieser Liste abgehakt und die eigentliche Aufgabe bleibt offen. Dieser Typ liebt es Dinge abzuhaken, um sich gut zu fühlen, merkt dabei aber nicht, dass die eigentliche Aufgabe ständig aufgeschoben wird.
  • Der Multitasker: Ihm fehlt die Konzentration, sich nur einer Aufgabe zu widmen, denn der Multitasker beginnt eine Aufgabe, hat dann aber plötzlich einen Einfall zu einer anderen und widmet sich schließlich dieser. Letztendlich hat er also viele begonnene Projekte, aber keines davon beendet.
  • Der Internetjunkie: Dieser Typ ist ständig online. Ohne es zu merken, vertrödelt er Stunden seiner Zeit und lässt sich dadurch von seiner eigentlichen Aufgabe ablenken.

Gründe für die Aufschieberitis

Prokrastination äußert sich zwar auf unterschiedliche Weise, doch die Gründe für Aufschieberitis ähneln sich: Alle der oben aufgezählten Typen leiden häufig unter Minderwertigkeitsgefühlen und verschieben die schwierig erscheinenden Aufgaben lieber, anstatt sich ihnen zu stellen. So schützen sie sich eine Zeit lang vor der befürchteten schlechten Kritik, die auf ihre Arbeit folgen wird. Auch das Last-Minute-Arbeiten lässt sich damit erklären: Da man alles auf den letzten Drücker gemacht hat, kann es ja gar nicht perfekt sein – so nimmt man mögliche Kritik vorweg, bleibt aber auch unter seinen eigenen Fähigkeiten.

Es geht also bei der Aufschieberitis oft darum, ein kurzfristig gutes Gefühl zu erzeugen bzw. beizubehalten. So bleiben als lästig empfundene Aufgaben liegen. Zu den lästigen Aufgaben gehören auch Dinge wie realistische Ziele setzen und vor allem ein machbarer Zeitplan. Sie sind lästig, weil man so mit der Realität konfrontiert wird – „jaaa, wirklich nur noch 3 Tage bis zum Abgabetermin!“

Tipps gegen Prokrastination

Was nun tun, wenn man von der Aufschieberitis befallen ist?
Sieh Dir erst einmal genau an, warum Du eine Aufgabe gerade nicht anpacken willst. Weißt Du nicht genau, wie? Ist die Aufgabe unklar? Wenn es um inhaltliche Unsicherheiten geht, wäre die erste Aufgabe, sich darum zu kümmern, alle Informationen zu beschaffen, die Du brauchst, um den Hauptunsicherheitspunkt aus dem Weg zu räumen.

Hast Du Angst davor, es nicht zu schaffen? Oder Angst vor Kritik? Hier ist es ratsam, Dich mit Deinen eigenen Ansprüchen und Deinem Perfektionismus auseinanderzusetzen. Verknüpfst Du z. B. Dein Selbstwertgefühl an Erfolg? Hast Du, selbst wenn Du eine Sache 100 % und fehlerfrei über die Bühne gebracht hast, das Gefühl, Du hättest es vielleicht noch besser machen können? Solche Gefühle verursachen Stress und sind nicht gesund.

Was können wir noch tun, um produktiver zu werden und nicht alles ständig vor uns herzuschieben? Hier einige Tipps, die ich mir selbst auch zu Herzen nehmen werde:

1. Sofort beginnen
Ja, es ist schwierig, aber man sollte wirklich versuchen, seine Aufgaben so schnell wie möglich zu erledigen. Denke an die bekannte 72-Stunden-Regel. Nach 3 Tagen sinkt die Chance, dass Du etwas anpackst, auf nur noch 1 %!

2. Gewohnheiten ändern
Warum schiebst Du ständig Sachen auf? Das kann auch schlicht Gewohnheit sein. Hinterfrage Dein Verhalten. Versuche also herauszufinden, warum Du Dinge gerne aufschiebst und versuche dann diese Gewohnheit zu durchbrechen.

3. Plane vor
Plane bereits einen Tag zuvor, was Du erledigen möchtest und halte Dich daran, indem Du zwischendurch Dinge einplanst, die Du gerne tust und die Dir Spaß machen.

4. Genaue Pläne ausarbeiten
Sinnvoll beim Vorplanen ist, dabei sehr konkret zu sein. Plane mit genauen Uhrzeiten und Pausen. Das motiviert und ist einfacher umzusetzen.

5. Lobe Dich
Unsere Gedanken haben eine enorme Macht über uns, ständig kritisieren und analysieren wir uns und ziehen uns häufig damit runter. Versuche, positiv über Dich zu denken, lobe Dich, wenn Du etwas erreicht hast. Auch das motiviert Dich und lässt Dich Dinge länger durchziehen.

6. Mache Dir nicht so viel Druck
Streiche Worte wie „Ich muss“, „Ich soll“ etc. Das verschreckt einen und man hat keine Lust mehr, so seine Aufgaben zu erledigen. Ersetze sie mit „Ich will“.

7. Verdeutliche die Konsequenzen
Durch das Aufschieben von Aufgaben kommen wir meistens in einen Zeitdruck, der es uns erschwert, unsere Aufgaben so abzuliefern, wie wir sie eigentlich abliefern würden. Mache Dir bewusst, welche Konsequenzen das mit sich zieht. Du wirst ggf. unterschätzt, weil Deine Ergebnisse nie besonders gut sind oder Du lieferst sie zu spät ab und bekommst daher Stress mit dem Chef. Wenn Du Dir das bewusst machst und weißt, was Du eigentlich erreichen kannst, wirst Du motivierter sein.

8. Prioritäten setzen
Mache Dir bewusst, welche Deiner To-Dos wirklich die wichtigsten sind und beginne auch mit diesen.

9. Vermeide Unterbrechungen
Ja es ist verlockend, sich mit Mails, Telefonaten oder dem Internet abzulenken. Am besten arbeitest Du in einem Raum ohne Internetverbindung, damit Du Dich voll konzentrieren kannst. Zur Belohnung gibt’s dann Social-Media-Pausen.

10. Belohne Dich
Das Wichtigste ist aber vor allem, Dich zu belohnen. Hast Du viel erreicht und geschafft? Dann gönne Dir ruhig mal eine Auszeit und belohne Dich mit etwas, das Dir gefällt!

Warum man sich bestimmten Situationen auf eine bestimmte Weise verhält, erfährt man nur, wenn man sich in ruhigen Momenten selbst sein Verhalten und seine Reaktionen anschaut. livinflow bietet das mit den Meditationsübungen und Coachingsegmenten in seinen Programmen. Die sportlichen Aktivitäten und gesunden Rezepte bilden eine Grundlage, mit der diese Ruhe eintreten kann. Schau bei uns vorbei!

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