Mit Bauchgefühl aus der Grübelfalle

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Entscheidungsprobleme

Dir wird ein neuer Job angeboten. Mehr Gehalt, mehr Prestige, tolle Aufgaben. Alle Argumente sprechen dafür, ihn anzunehmen. Und doch sagt Dir Dein Bauch etwas ganz anderes …

Du hast über eine Partnerbörse zwei Personen kennengelernt, die Dir beide sehr gefallen. Du kannst Dich einfach nicht für eine der beiden entscheiden. Wie kannst Du das Dilemma lösen? …

Auf einer Party lernst Du jemanden kennen. Sofort denkst Du: „Oh Gott, was für ein Langweiler!“ Eine Stunde später hast Du Deine Meinung völlig geändert.

Solche Situationen kennen wir alle. Bei welchen kann das Bauchgefühl helfen? Bei welchen steht es eher im Weg? Und warum ist es manchmal so schwer, Entscheidungen zu treffen?

Was ist das Bauchgefühl eigentlich?

Bauchgefühl oder auch Intuition ist das Gefühl, sich für etwas zu entscheiden, ohne dass man genau weiß, warum. Daher werden intuitive Entscheidungen auch oft für unüberlegt und riskant gehalten. Doch sind Entscheidungen aus dem Bauch heraus auch Kopfentscheidungen, nur dass wir uns dessen nicht bewusst sind.

Wir entscheiden uns intuitiv für oder gegen etwas, weil wir in Sekundenschnelle ähnliche frühere Situationen Revue passieren lassen und mit der jetzigen abgleichen. Wir rufen also Informationen aus unserem Langzeitgedächtnis ab und treffen unsere Entscheidung basierend darauf, was in der Vergangenheit funktioniert hat und was nicht. Unser Gehirn bildet aus all unseren Erfahrungen, die wir gemacht haben, Regeln, um festzuhalten, was uns zum Ziel geführt hat. Je mehr Erfahrungen wir in unserem Leben gemacht haben, desto besser können wir uns intuitiv entscheiden.

Warum macht unser Gehirn das? Tagtäglich prasseln Tausende Reize auf uns ein, und wir müssen mit Millionen von Sinneseindrücken pro Minute umgehen. Das Bewusstsein ist nur imstande, einen kleinen Bruchteil davon wirklich aufzunehmen und zu verarbeiten. Der Rest wird vom Unterbewusstsein gespeichert.

Wenn wir ein Problem haben und stunden-, tage- oder sogar wochenlang darüber grübeln, können wir immer nur einen Teil des Problems erfassen. Unsere Gedanken drehen sich dadurch im Kreis. Doch indem wir auf unsere Intuition bzw. unser Unterbewusstsein hören, rufen wir Wissen ab, auf das der Verstand (noch) nicht zugreifen kann. Daher können wir das, was uns unser Bauchgefühl rät, auch schwer in Worte fassen.

Wer also auf sein Bauchgefühl hört, hört auf seine innere Stimme, die aus diesem unterbewussten Erfahrungsschatz spricht. So ist es nicht verwunderlich, dass Probanden, die bei einem Problemlösungstest im Rahmen einer Studie der Northwestern University intuitiv entschieden, besser abschnitten als diejenigen, die versuchten, die Aufgaben analytisch zu lösen.

Auf sein Bauchgefühl zu hören ist also prinzipiell eine gute Sache.

Wie kann ich zu meinem Bauchgefühl finden?

Um die richtige Frequenz zu finden, auf der Deine innere Stimme empfangbar ist, hilft Stille. Eine Zeit, in der Du nach innen schauen kannst. Möglichst ohne Gedanken. Ob es eine Meditation ist, ein Waldspaziergang, eine Sportart, die Dich in den Flow versetzt, alles ist gut, was Dich Dir wieder näherbringt. Erst, wenn Du Dein Bauchgefühl wiederentdeckt hast und klar wahrnimmst, lohnt es sich, auch den Verstand wieder dazuzuholen.

Störfaktoren, die das Bauchgefühl torpedieren

Du kennst sie bestimmt auch – Leute, die im Restaurant nie wissen, was sie bestellen sollen. Freundinnen, die sich im Klamottengeschäft schwer entscheiden können. Ein Bekannter, der so lange hin- und herüberlegt, wohin er in den Urlaub fahren soll, bis er schließlich gar nicht fährt.

Unsicherheit

Manchmal verliert man die Verbindung zum Bauchgefühl oder traut ihm einfach nicht mehr. Die Angst davor, einen Fehler zu machen, überwiegt. Anstatt bei Dir zu bleiben, verunsichert Dich der Gedanke, was andere über Dich sagen könnten oder ob Du mit Deiner Entscheidung der gesellschaftlichen Norm entsprichst. Entscheidungen zu treffen unabhängig davon, was das soziale Umfeld erwartet, ist wichtig. Durch unsere Erziehung sind wir oftmals so geprägt worden, dass wir uns anzupassen haben, doch mit etwas Übung kann man diese Prägung überwinden – und endlich bei sich ankommen.

Was auch eine Rolle spielen kann, ist die Angst davor, sich falsch zu entscheiden. Da hilft der Gedanke, dass es oft keine falschen Entscheidungen gibt. Ob man jetzt die Thunfischpizza oder das Risotto bestellt, wenn einem beides schmeckt, wird man die Entscheidung nicht bereuen. Ähnliches gilt auch für größere Entscheidungen: ob man diesen oder jenen Job annimmt, es werden sich bei beiden noch ungeahnte Möglichkeiten (und auch Schwierigkeiten) ergeben, von denen man jetzt noch nichts wissen kann.

Eine Methode, um den Verstand auszutricksen und herauszufinden, was man wirklich will, ist, eine Münze zu werfen. Nachdem Du siehst, wofür sich die Münze entschieden hat, horche in Dich hinein. Bist Du jetzt leicht enttäuscht? Dann wähle die andere Option. Fühlt es sich gut an? Dann bleibe bei der Entscheidung.

Der innere Kritiker

Manche Menschen sagen, dass ihnen ihr Bauchgefühl nur negative Botschaften vermittelt, zum Beispiel: „Das schaffst Du eh nicht!“ oder „Das hat sowieso keinen Sinn!“.

Was hier zu hören ist, ist keineswegs das Bauchgefühl, sondern der Anteil in uns, der „innerer Kritiker“ genannt wird. Einen solchen inneren Kritiker hat jeder. Sätze wie: „Du bist viel zu ungeschickt dafür“, „Das macht man nicht“ etc. kennen wir alle. Ist Dir schon mal aufgefallen, dass diese Stimme Sätze wiederholt, die Du in Deiner Kindheit gehört hast? Von Eltern, Lehrern oder anderen Bezugspersonen? Genau daher kommen sie. In unserer Kindheit hatten sie eine gute Funktion: uns vor Gefahren zu beschützen und uns in die Gesellschaft zu integrieren. Doch als Erwachsene fügen sie uns häufig Leid zu. Sie können natürlich weiterhin hilfreich sein, doch sollte man sie sich genau anschauen, ob sie einen nicht eher daran hindern, das zu tun, was man wirklich machen möchte. So entsteht Selbstsabotage.

Woran erkennt man nun, ob man es mit dem inneren Kritiker oder dem Bauchgefühl zu tun hat? Der innere Kritiker wiederholt immer wieder die gleichen Phrasen. Außerdem ist er nie mit Dir zufrieden, egal, was Du machst. Achtsamkeitsübungen oder Meditationen werden Dir bei dem Erkennungsprozess helfen: Momente, in denen Du in Dich gehst und Deine eigenen Leitsätze überprüfst. Bald wirst Du so keine Probleme mehr haben, die eine Stimme von der anderen zu unterscheiden.

Wie mit dem inneren Kritiker umgehen?

Zunächst einmal ist es wichtig, den inneren Kritiker als solchen wahrzunehmen. Wenn man merkt, dass an den Anmerkungen nichts dran ist, kann man ihn liebevoll weiterreden lassen, ohne ihn weiter zu beachten. Man kann ihm zum Beispiel einen Namen geben und in solchen Fällen denken: „Hallo Hans-Jürgen, da bist Du ja wieder!“ So schafft man es langsam, negative Glaubenssätze abzulegen. Dadurch steigert sich das Selbstwertgefühl und man findet wieder zu sich selbst. Wichtiger noch, Du übernimmst die Verantwortung für Dein Handeln.

Spontaneität und Manipulation

Das Bauchgefühl hilft zwar bei bestimmten Entscheidungen, in manchen Situationen ist es aber auch hinderlich. Zum Beispiel, wenn wir eine Person, die wir nicht kennen, intuitiv einschätzen. Dies tun wir auch aufgrund unserer Erfahrungen und Glaubenssätze, weswegen wir uns unbekannte Menschen in Kategorien stecken. Wir sollten zwar wahrnehmen, dass wir das tun (man kann es ja auch nicht abstellen), diese (Vor-)Urteile aber dann doch noch einmal überprüfen.

Auch beim Einkaufen sind spontane Reaktionen nicht unbedingt eine gute Sache. Wir alle wissen, dass z. B. Supermärkte so angelegt sind, um uns zum Kauf zu verführen. Hier sollte man lieber auf seinen Verstand hören, bevor man sich 20 Chipstüten in den Einkaufswagen packt.

Impulsive Entscheidungen geschehen eben nicht aus heiterem Himmel. Es ist klar, dass wir eher einer USA-Reise zugeneigt sind, wenn wir gerade einen schönen Bericht über den Grand Canyon gesehen haben. Und wenn mein Onkel, den ich immer schon bewundert habe, sich eine Küchenwundermaschine gekauft hat, möchte ich spontan auch eine.

Es gibt ein paar subtile Unterschiede zwischen diesen Beispielen und den oben genannten. Hier geht es nicht darum, Probleme zu lösen oder endlich nach langem Grübeln zu einer Entscheidung zu kommen. Auch unterbewusstes Wissen wird bei den letzten beiden Beispielen nicht abgerufen. Hier sieht man, was passiert, wenn man nur auf seine Gefühle hört.

Gefühl und Verstand

Bei Entscheidungen ist es also empfehlenswert, beides einzusetzen – Gefühl und Verstand. Wie eng diese miteinander verknüpft sind, sieht man, wenn das Gefühl wegfällt. Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio beschäftigte sich z. B. mit Menschen, die durch Unfälle o.Ä. bestimmte Gefühle verloren hatten. Das Interessante war, dass ihnen dadurch auch die Fähigkeit abhandengekommen war, Entscheidungen zu treffen. Wir können also keine Entscheidungen treffen, wenn wir nicht fühlen können.

Das Bauchgefühl ist also keineswegs dem Verstand unterzuordnen, sondern hat in den meisten Fällen recht. Wichtig bei jeder Entscheidung ist also, dass man sowohl die eigenen Gefühle als auch die rationalen Argumente hinterfragt und sie in Einklang bringt.

 

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