Rückenschmerzen – immer auch psychisch bedingt

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Drei Viertel aller Berufstätigen leiden mittlerweile unter Rückenschmerzen. Auch die Zahl der Rückenpatienten in Krankenhäusern ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Höchste Zeit also, sich einmal anzusehen, was hinter dem dramatischen Anstieg der Rückenschmerzen in unserer Gesellschaft steckt.

Einheit von Körper und Geist

Rückenschmerzen haben neben physischen auch immer psychische Ursachen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Körper und Geist bilden eine Einheit. Es ist ein ewiges Wechselspiel: Funktioniert das Eine nicht, hat das auch Folgen für das Andere.

Gibt es Probleme im psychischen Bereich, leidet z. B. jemand unter Stress oder Depressionen, kann sich das ganz schnell auf den Körper auswirken und zu körperlichen Beschwerden führen. Dabei handelt es sich um so genannte somatoforme Störungen oder psychosomatische Erkrankungen.
Auch der Körper hat eine starke Macht über die Psyche. Biochemische Vorgänge in den Organen können Menschen emotional so aus dem Gleichgewicht bringen, dass sie psychisch krank werden. Auch vermuten Vertreter einer neuen Forschungsrichtung, der Neurogastroenterologie, dass der Darm einen großen Einfluss auf die Psyche hat.

Ursachen für unspezifische Rückenschmerzen

Wenn die Schmerzen durch einen bestimmten (somatischen) Auslöser kommen, zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall oder Skoliose, spricht man von spezifischen Rückenschmerzen.

Unspezifische Rückenschmerzen lassen sich dagegen nicht auf eindeutig krankhafte körperliche Veränderungen als Ursache der Beschwerden zurückführen. Und bei 80 % aller Fälle handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen. Sie sind eher Warnsignale des Körpers als Reaktion auf Stress und psychische Belastungen. Natürlich tun dann auch das lange Sitzen im Büro, mangelnde Bewegung überhaupt, sowie eine fehlende Work-Life-Balance ihr Übriges. Denn: wer gestresst ist bzw. unter Druck steht, verkrampft sich. Dauerhafte Verspannungen führen wiederum zu Schmerzen im Bauch oder Rücken.

Mit Physiotherapie oder Spritzen werden nur die Symptome bekämpft, aber nicht ihre Ursachen. Die Folge: Der Schmerz bleibt.

Auch die Persönlichkeit hat einen großen Einfluss auf Schmerzen. Wenn ich Schmerzen erwarte, wenn ich mich sehr darauf konzentriere, dann werden sie stärker. Wenn ich mich dagegen ablenke, werden sie schwächer. Depressive etwa verspüren oft schon leichtes Piken als unangenehmen Schmerz. Auch Stress und Konflikte können Schmerzen verstärken. Schmerz und Stress werden in der nahezu identischen Gehirnregion verarbeitet. Wer in seiner Kindheit früh Stress durch Zurückweisung von Bezugspersonen erlebt hat und somit nicht stabil gebunden ist, empfindet leichter Schmerz.

Ebenso gehen Angsterkrankungen häufig mit Verspannungen und Verkrampfungen in der Nacken-, Schulter- und Rückenregion einher, da sie unter anderem eine erhöhte muskuläre Anspannung bei Betroffenen verursachen können.

Risikofaktoren für Rückenschmerzen:

  • Langzeitsitzen
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Alter zwischen 35 und 50 Jahren
  • Fehlbelastung und einseitige Belastung
  • Genetische Disposition
  • Falsche Ernährung
  • Rauchen
  • Psychische Belastungen
  • Schwere körperliche Arbeit
  • Unzufriedenheit am Arbeitsplatz

Behandlung unspezifischer Rückenschmerzen

Neben dem Ausschluss einer organischen Ursache ist es deshalb wichtig, psychische Einflüsse auf ein bestimmtes Krankheitsbild zu berücksichtigen, um es behandeln zu können. Auch bei psychosomatischen Erkrankungen gibt es Heilungserfolge, wobei man möglichst früh mit einer Therapie beginnen sollte, um einen langfristigen Verlauf zu verhindern. Dauern diese Schmerzen nämlich länger an, besteht die Gefahr, dass sie chronisch werden.

Hier sollten also erstmal die Linderung der Schmerzen, die Verbesserung der Beweglichkeit und die Kräftigung der Muskulatur im Vordergrund stehen. Die Behandlung kann ambulant erfolgen, in schweren Fällen aber auch tagesklinisch oder stationär. Manchmal können vorübergehend auch Medikamente notwendig sein, um die Behandlung von Ängsten, Schmerzsyndromen oder Depressionen zu unterstützen.

Doch sollte man sich nicht aus Angst vor Schmerzen schon beim ersten Stechen aus gewohnten Alltagshandlungen zurückziehen und sich schonen. Damit erreicht man keine Linderung, sondern das Gegenteil: Die Rückenmuskulatur verkümmert und schmerzt schließlich bei Bewegungen noch mehr. Hier beginnt ein Teufelskreis. Manchmal irren Patienten jahrzehntelang vom Hausarzt zum Orthopäden, zum Chirurgen, zur Physiotherapie und zur Osteopathie – ohne Erfolg. Wegen der Schmerzen ziehen sich Patienten dann auch oft aus ihrem sozialen Umfeld zurück und leiden in ihrer „Schonhaltung“. Dies führt dann verstärkt zu depressiven Gefühlen.

Schmerztherapie z. B. ist eine aktivierende Therapie, nicht nur in körperlicher Hinsicht. Es werden Strategien gelehrt, um raus aus dem Krankheitsverhalten rein ins Leben zu kommen. Zudem es gibt Techniken, mit denen man sein Schmerzverhalten ändern kann.

Biofeedback ist eine gute Methode, um dem Patienten die Verbindung zwischen Körperreaktionen und Psyche zu verdeutlichen. Beim Elektromyographie-Biofeedback werden Elektroden an die Muskeln angelegt. Die Muskelspannung wird gemessen und elektrisch umgewandelt in ein optisches oder akustisches Signal. So können Patienten also ihre Muskelspannung sehen. Auf diese Weise kann man lernen, Anspannungen wahrzunehmen und selbst zu beeinflussen.

Dadurch, dass Ärzte ihre Patienten meist nur auf spezifische Rückenbeschwerden untersuchen, entstehen jährlich Kosten von ca. 25 Milliarden Euro. Ein Viertel davon könnte eingespart werden, wenn Ärzte vermehrt moderne Therapiemethoden einsetzen würden, um die Ursachen und nicht die Symptome zu behandeln. Immerhin gibt es nun erste Ansätze, diese im Gesundheitssystem neu zu verankern.

Was kann man selbst gegen Rückenschmerzen tun?

Es gibt auch Einiges, was man selbst unternehmen kann, um seine Schmerzen zu lindern:

  • Bewegung (Sport, Spaziergänge in der Natur, Rückentraining). In unseren Artikeln Krafttraining für einen gesunden RückenRückenglück mit Theraband und Aktiviere Dich mit Bewegung findest Du viele wertvolle Übungen.
  • Bildschirmpausen auf der Arbeit einführen. Mindestens einmal pro Stunde sollte man deshalb von seinem Arbeitsplatz aufstehen, die Beine vertreten und die Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur lockern.
  • Gesunde Ernährung
  • Stehschreibtisch oder Sitzhocker
  • Entspannung (Meditation, Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen).
  • Unterstützende Massagen
  • Wärme gegen Verspannung
  • Auf die Haltung achten
  • Übergewicht reduzieren

Rückenprobleme sind und bleiben, wie viele chronische Schmerzen, eine komplexe Angelegenheit. Doch Eines ist klar: die herkömmlichen Ansätze greifen zu kurz. Bewegung, Atmung und Entspannung sind mindestens genauso wichtig wie Medikamente.

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