Stress erkennen – Stress vermeiden

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Stress vermeiden

Gelassen mit sich selbst: Von inneren Antreibern und Unterlassern

Welche inneren Dinge treiben uns im Leben an, machen uns glücklich und halten uns gesund? Welche sorgen für Unzufriedenheit und Stress? Ein Blick auf die inneren Stressverstärker.

Es gibt unterschiedliche Stressantreiber. Je nachdem, in welcher Lebenssituation wir uns befinden, greifen sie. Doch was sind diese Antreiber?

Grundlegend sind es Persönlichkeitsanteile, welche jeder in sich trägt. Diese machen den Menschen zu dem, was er ist. Hieraus entwickeln sich Fähigkeiten und die vielen starken Eigenschaften eines Menschen. Betrachtet man einmal den Persönlichkeitsanteil „sei perfekt“. Dabei handelt es sich um Menschen, die die Dinge in ihrem Leben perfekt machen wollen. Nimmt man zum Beispiel einen Chirurgen, dann ist es von Vorteil, wenn er perfektionistisch arbeitet und hervorragende Operationen durchführt. Menschen mit dem Antreiber „sei beliebt“ können oft Vereine gut führen und kommen mit vielen Menschen gut aus.

Hierbei erkennt man, dass diese Antreiber positive Eigenschaften sind, die uns zu vielen guten Dingen beflügeln. Im Folgenden werden wir die grundlegenden Antreiber genauer betrachten. Man kann sie mit Überschriften versehen wie: sei perfekt, sei beliebt, sei stark, sei auf der Hut, ich kann nicht. Jeder Mensch trägt solche Anteile in unterschiedlichen Gewichtungen in sich. Im Laufe eines Lebens können sich einzelne Muster aber verstärken oder sogar überzogen gelebt werden. So kann dann aus einem „Motor“ eine Belastung entstehen.

1. Stressverstärker: Sei perfekt!

Der Stressverstärker entsteht durch einen absolutistischen und überhöhten Wunsch nach Erfolg, Selbstbestätigung und Anerkennung durch andere über Leistung.

Ein Beispiel dazu: Ein Mitarbeiter muss eine PowerPoint-Präsentation für den Chef erstellen, damit er diese vor den Kollegen halten kann. Mit einem überzogenen Perfektionsdenken kann es hier nun sehr anstrengend werden, denn in der Regel hat man im Alltag nie genügend Zeit, eine Präsentation 100%ig vorzubereiten. Inhalte müssen stimmen, Bilder gesetzt und das Format eingerichtet werden etc. Für jemanden mit einem perfektionistischen Antreiber fühlt es sich aber nicht gut an, eine PPT abzugeben, die nicht super korrekt erstellt wurde. Selbst wenn der Chef und die Kollegen sagen, dass es nicht perfekt sein müsste, wird es sich für den Mitarbeiter nicht gut anfühlen.

Wie kann diese Stressschleife durchbrochen werden? Sieht man sich den Stressverstärker genauer an und geht eine emotionale Ebene tiefer, kann man erkennen, dass damit häufig eine ausgeprägte Angst vor Misserfolg, Versagen und eigenen Fehlern einhergeht.

Das bedeutet, bei einer Verschärfung solcher überzogenen Persönlichkeitsanteile kann man das Thema lösen bzw. verändern, indem man selber reflektiert, wo Ängste bestehen.
Fragen wie „Was könnte denn schlimmstenfalls passieren?“ sind schon mal eine gute Hilfe, die Muster aufzubrechen.

Man könnte jetzt noch etwas tiefer gehen und fragen, wo diese Ängste herkommen. Hat zum Beispiel jemand in seiner Kindheit erfahren, dass er nur nach einer Leistung (gute Noten, Aufräumen etc.) Liebe empfängt, dann überträgt sich dieses Muster in das Erwachsenenleben. Die Schlussfolgerung könnte sein, je mehr jemand leistet, desto mehr wird er geliebt.

2. Stressverstärker: Sei beliebt!

Hierbei handelt es sich um einen überhöhten Wunsch nach Zugehörigkeit, Angenommensein und Liebe. Auch hier ist es erst einmal ein guter Antreiber, viel für Zwischenmenschliches und die Gemeinschaft zu tun. Kippt das System aber und jemand macht zum Beispiel mehr für andere als für sich selbst, dann kann so ein Muster sehr anstrengend werden. Welche verborgenen Ängste könnten dahinter liegen? Eine ausgeprägte Angst vor Ablehnung, Kritik und Zurückweisung durch andere könnte hier die Erfahrungsgrundlage sein. Doch kann man von allen im Leben geliebt werden? Nein, sicherlich nicht. Auch wenn es Reibereien oder Kritik gibt, muss das nicht den Beziehungsabbruch zur Folge haben.

3. Stressverstärker: Sei stark!

Bei diesem Antreiber handelt es sich um einen überzogenen Wunsch nach persönlicher Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Solchen Menschen begegnet man immer wieder in Führungspositionen. Diese Personen machen die Dinge oft selber im Leben, geben Vollgas und sind häufig auch keine guten Teamplayer. Welche Ängste könnten dahinterstecken? Hilfsbedürftigkeit, Schwäche oder die Angst, von anderen abhängig zu sein, können hier das Verhalten beeinflussen. Das Leben wird aber sehr anstrengend, wenn man versucht, alles alleine zu lösen und keine Hilfe anzunehmen. Auch hier kann wieder die Selbstreflexion helfen, um die eigenen Muster zu entlarven.

4. Stressverstärker: Sei auf der Hut

Diesen Stressverstärker findet man zum Beispiel oft bei Mitarbeitern in Change-Prozessen. Statt sich in die Veränderung zu stürzen und neugierig auf das zu sein was da kommt, wird alles mit dem Argument abgelehnt „Das haben wir immer schon so gemacht“.
Hier trägt folglich der Wunsch nach Sicherheit und Kontrolle. Lieber die Dinge so lassen wie sie sind, denn das vermittelt das Gefühl von Sicherheit. Kontrollverlust, Fehlentscheidungen und Scheu vor Risiken können hier die Ängste und tieferen Antreiber sein.

Das Leben ist aber nun mal risikoreich. Es wäre ein Irrglaube, dass man alles kontrollieren und für die vollkommene Sicherheit im Leben sorgen könne. Menschen, die Schicksalsschläge im Leben hatten, schwere Erkrankungen, Partnerverlust oder ähnlich Schlimmes, haben erfahren dürfen, dass nichts im Leben sicher ist.

5. Stressverstärker: Ich kann nicht!

Hier tauchen zum Beispiel die „no sports“ Menschen auf. Schwimmen, Laufen, Radfahren, Gymnastik, usw. wird als reine Belastung empfunden und hält davon ab, überhaupt erst anzufangen. Das eigene Wohlbefinden und ein bequemes Leben stehen hier im Vordergrund.
Doch andere tun es doch auch! Woher kommt diese Angst, sich aus der Komfortzone herauszubewegen? Solche Antreiber sind häufig geprägt durch Angst vor unangenehmen Gefühlen und vor Anstrengung. Auch das Gefühl der eigenen Hilflosigkeit und eine geringe Frustrationstoleranz spielen eine große Rolle. Die Angst, etwas nicht schaffen zu können, kann also jemanden davon abhalten, überhaupt erst anzufangen.

Fazit

Es gibt natürlich noch weitere stressverschärfende Denkstile, die in einem anderen Artikel genauer betrachtet werden können. Grundsätzlich ist es aber hilfreich, sein eigenes Verhalten zu beobachten. An welchen Stellen wird ein Antreiber zu einer Belastung oder einer Begrenzung des persönlichen Wachstums? Welche Ängste könnten hinter diesem Verhalten stecken und was könnte helfen, sich aus diesen inneren Glaubenssätzen und Denkmustern zu befreien?

Jeder ist „seines Glückes Schmied“ und hat die Möglichkeit, sich von den Ängsten und Antreibern zu befreien. Etwas Mut, Selbstreflexion und das Wissen, dass Veränderung Zeit benötigt, helfen hier beim Umgang mit Stressverstärkern.

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