Warum kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen?

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shopaholics

Es ist 10 Uhr morgens an einem regnerischen Samstag. Ich lese wie jeden Morgen beim Frühstück die Zeitung und werde von einer Anzeige eines Autohauses angelächelt: „Endlich ist er da! Der neue Porsche – nur für Dich!“ Ich denke an mein kleines popeliges Auto mit gerade mal 60 PS. Kein besonders tolles Auto! Keiner würde hier große Augen machen oder mir neidische Blicke beim Vorbeifahren zuwerfen! Im Gegenteil, mit meinem Auto würde ich vermutlich erst gar nicht auffallen. Den ganzen Morgen träume ich davon, wie toll es doch wäre, wenn ich dieses Auto hätte. Wie viel Aufmerksamkeit ich bekommen würde. Das wäre so ein tolles Gefühl! Dieses Gefühl möchte ich haben, sofort! Nur der Gedanke an meinen Kontostand verhindert, dass aus den Träumereien Wirklichkeit wird.

Kaufen ist eine emotionale Angelegenheit

Tatsächlich geht es den meisten Menschen so, dass sie Dinge kaufen, weil sie sich dadurch besser fühlen, denn beim Kauf wird Dopamin im Körper ausgeschüttet. Wir kaufen, ohne bewusst darüber nachzudenken. Wir wissen, wie das Gefühl sein wird, das durch den Kauf eines neuen Produktes ausgelöst wird. Noch einmal bekommen wir ein Glücksgefühl, wenn wir die Aufmerksamkeit von anderen bekommen, wenn sie das neue Handy, die neuen Schuhe, die Handtasche oder das neue topmoderne Auto begutachten möchten. Doch gerade bei Dingen, die wir nicht wirklich brauchen, folgt schnell eine Leere, vor allem wenn uns der Status unserer Finanzen bewusst wird. Also muss eine neue Belohnung her, damit sich wieder gute Gefühle einstellen. Gerade bei Shopaholics (Menschen, die zwanghaft unabhängig von ihren eigentlichen Bedürfnissen Dinge kaufen) dreht sich diese Spirale immer schneller und schneller, wie bei Spielsüchtigen im Casino. Diese Gruppe kauft, um Gefühle wie Wut, Trauer, Einsamkeit oder mangelndes Selbstbewusstsein zu kompensieren.

Wie komme ich aus diesem Kaufverhalten heraus?

Wie schaffen wir es aber, diesem Gefühl entgegenzuwirken und nur das zu kaufen, was wir wirklich benötigen? Nur das, was uns nicht das letzte Geld aus der Tasche zieht? Zunächst solltest Du Dir bewusst machen, warum es für Dich so wichtig ist, was andere von Dir denken. Wärst Du nicht viel glücklicher, wenn Du nicht so viel Wert auf die Meinung anderer legen und nur das tun und kaufen würdest, was Du wirklich möchtest? Hinterfrage Dich also, ob Du das neueste Handy haben willst, weil Du die neuen Funktionen darauf wirklich brauchst oder ob Du damit nicht eher Aufmerksamkeit und Ansehen generieren möchtest.

Es gibt natürlich auch noch viele andere Gründe, die zu einem emotionalen Kaufverhalten führen: unbewusste Muster (wenn Deine Freundin etwas kauft, tust Du es ihr automatisch gleich); zur Befriedigung eines anderen Bedürfnisses oder um Gefühle wie die oben genannten zu verdrängen.

Sieben Fragen zum Selbstcheck

Eine gute Strategie ist es, sich vor einem Kauf bewusst folgende Gedanken zu machen:
1. Warum brauche ich das?
2. Wofür brauche ich das?
3. Wie fühle ich mich gerade?
4. Will ich es wirklich?
5. Was passiert, wenn ich mit dem Kauf warte?
6. Wo werde ich es aufbewahren/hinstellen?
7. Macht es mich langfristig glücklich?

All diese Fragen können Dir helfen, eine Antwort zu finden, und Dir zeigen, was Du wirklich willst. Du kannst so auch selbst kontrollieren, ob Du gerade einen emotionalen Kauf tätigen willst oder nicht.

Achtsamkeit im Geschäft

Wenn Du dafür anfällig bist, in einem Laden viel mehr zu kaufen als Du eigentlich möchtest, gibt es noch eine gute Übung. Stelle Dich in einen Deiner Lieblingsläden und beobachte Dich und Deine Emotionen dabei. Reagiere nicht auf sie, sondern nimm sie einfach nur wahr. Je öfter Du das tust, umso geringer werden die Kaufimpulse sein, die Du empfindest.
Es ist paradox: Je fester man daran glaubt, dass materielle Dinge glücklich machen, umso eher wird man unglücklich und gestresst. Das heißt, genau das Gegenteil von dem, was man sich wünscht, setzt ein.

Zeit ist Glück

Ist die Zeit, die man mit Menschen verbringt, die man liebt, nicht viel wertvoller als die Zeit, in der man sich mit dem neuen Handy, dem neuen Auto oder den neuen Klamotten beschäftigt?

Zeit ist das wahre Gut, das Dich viel glücklicher macht. Was vor allem auch Deine Freunde und Deine Familie an Dir zu schätzen wissen werden. Versuche glücklich zu sein, indem Du das tust, was Du wirklich willst. Denn dadurch strahlst Du wahres Glück aus und in Wahrheit ist es Glück, wonach alle streben und worauf andere wirklich neidisch sind.

Wir bei livinflow glauben daran, dass Glück nur entstehen kann, wenn man sich selbst kennt und sich achtsam in der Welt bewegt. Dazu möchten wir mit unseren ganzheitlichen Programmen beitragen. Dort findest Du Mindfulness-Übungen, Coachings, Meditationen, aber auch Rezepte und Trainings, die Dich bei Deinem Selbstfindungsprozess unterstützen. Hier erfährst Du mehr über uns.

Lesetipps:
April Lane Benson: To Buy or Not to Buy: Why We Overshop and How to Stop. London, 2008.
Mark Banschick: „The Shopaholic: When Shopping becomes an Illness.“

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